Variationen des Anderen

Die Text-Bild-CD-ROM-Publikation gehört in der Kunstwissenschaft zu den in der Zwischenzeit eingebürgerten Darstellungsformen bei der Erfassung künstlerischer Oeuvres. Was das Werk des in Moskau 1938 geborenen und seit den späten 1980er Jahren in Paris, New York und Moskau lebenden Vladimir Jankilevskij betrifft, so ist es bislang in zahlreichen Ausstellungskatalogen seit 1988 dokumentiert. In der vorliegenden Publikation, die auf dem Umschlag die Abbildung einer Collage zeigt, beschreitet der Herausgeber und Mit-Autor David Riff andere interpretatorische Wege.

Wolfgang Schlott

Er wählt unter dem Titel "Variationen des Anderen" einen typologischen Deutungsansatz, den er in 15 Essays, unterteilt in drei Themen: Weibliche Figuren, Landschaft, männliche Figuren, abhandelt. Nach einer einleitenden Betrachtung von Sepp Hiekisch-Picard, Kurator am Museum Bochum, über Jankilevskijs Collage Zyklus, den Riff als Ausgangspunkt für die vermutete musikalische Leitmotivik im Werk von Jankilevskij benutzt, verweist er auf Miles Davis "Kind of Blue", einer Cool Jazzmusik, die Jankilevskij besonders gern hörte. Bei seiner anschließenden Analyse geht er von der Form der Improvisation aus, die eine Ähnlichkeit mit der Musik des weltberühmten Jazzers habe. Auf der Suche nach einem Beweggrund für sein abstraktes Kräftemodell habe der Künstler "die internen Oppositionen dieses Modells in figurativen Lösungen (verarbeitet) und seine dualistischen Kräfte durch anthropomorphe Elemente  (personifiziert)." (S. 29). Ausgehend von dieser Feststellung will Riff seinem Leser "eine Topografie der symbolischen Improvisationsformen im Werk“ (S. 29) von Jankilevskij anbieten. Die in die oben genannten drei Bereiche (Frauen, Landschaften, Männer) eingeteilte Typologie differenziert Riff nach weiteren auffälligen Merkmalen, wobei er die Belege für seine typologischen Beobachtungen aus kunstwissenschaftlichen Artikeln wie auch der in dem Band publizierten Autobiografie der Künstlers entnimmt. Auffällig ist der - im Vergleich zur Landschaft und der männlichen Figuration - geringe Textraum, den Riff bei seiner Analyse den weiblichen Figuren zugesteht. Andererseits gelingt ihm besonders bei der Beschreibung der Männerfiguren eine Tiefendimension, die bislang in der Jankilevskij-Forschung noch nicht erreicht wurde.

Die dem Band beiliegende CD-ROM gewährt den bildlichen und textlichen Zugang zu dem Gesamtwerk des Künstlers. Geordnet nach Motiven und Themen wird das Oeuvre Jankilevskijs damit zum ersten Mal in übersichtlicher und überzeugender Weise präsentiert. Bildband und CD-ROM bieten somit sowohl einen ausgezeichneten Einblick in einen wichtigen Teilaspekt (Collage) des Werke als auch den digitalen Überblick über das Gesamtwerk. 

Text © Wolfgang Schlott


David Riff (Hrg.):

Variationen des Anderen. Eine digital-analoge Monografie zum Schaffen von Vladimir Yankilevsky

Museum Bochum und Lotman-Institut. Bochum, 2002

103 S., div. Farbreproduktionen. CD-ROM


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